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5.4. Der Dschihad
Unter Dschihad versteht man das individuelle
“sich anstrengen, sich bemühen”. Damit ist der
kämpferische Einsatz von Besitz und Leben jedes Muslims im Kampf um die
Verbreitung des islamischen Glaubens und der Prophetenrolle Mohammeds
gemeint.
Der Dschihad - der heilige Krieg - bedeutet aber
keinen Krieg im üblichen Sinne. Es geht vielmehr um einen
aufopferungsvollen und risikoreichen “Gottesdienst unter Waffen”.
Nur als Volljähriger darf man dem Aufruf von Privatleuten, die die
nötige Autorität haben, oder Vertretern der politischen Gewalt zum
Dschihad folgen. Der Staat als solcher ist dazu nicht nötig. Der Dschihad
als “Heiliger Krieg” ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Gegner
Nicht - Muslime, nicht mehr als Muslime zählen oder vom Glauben Abgefallene
sind (Apostaten). Der Kampf dient der Unterstützung und Stärkung sowie
der Erweiterung der moslemischen Glaubensgemeinschaft, der Umma. Wer an den
einen, wahren Gott glaubt und sich dazu bekennt, daß Mohammed sein Prophet
ist, der gehört der “umma mohammedija”, der Gemeinde Mohammeds
an. Damit ist er ein Teil der Gesamtheit der Gläubigen. Sprache, Rasse,
Nationalität und die Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen
religiösen Ausprägungen oder Rechtsschulen des Islams spielen keine
Rolle. Ob ein Mensch als Muslim in Saudi-Arabien, Gambia, Indonesien oder
Deutschland lebt - der Islam macht ihn zuallererst zum Teil der Gemeinschaft der
Muslime. Von den Asketen, später auch von den Sufis (Sufismus), wurde der
Dschihad schon früh im übertragenen Sinne als “innerer
Kampf” des Frommen gegen die bösen Kräfte der eigenen Psyche
(Haß) verstanden. Es ist jedoch falsch in diesem “geistigen”
Dschihad das eigentliche Ziel von Koran und Propheten zu sehen: Vorrangig, wenn
nicht ausschließlich, ging es um den individuellen Einsatz im Kampf
für die Verbreitung des Glaubens.
"Wie wichtig für die Rechtgläubigen der
Dschihad ist, möge das folgende Zitat aus dem Buch von Laffin
erläutern: ´Der Dschihad ist gesetzlich vorgeschrieben als eines der
Mittel, den Islam zu verbreiten. Folglich sollen Nichtmoslems den Islam entweder
freiwillig, durch Weisheit und guten Rat annehmen, oder unfreiwillig durch den
Kampf des Dschihad.”
Dieses Zitat stammt von Scheich Abdullah Ghoshah,
dem höchsten Richter Jordaniens. Allerdings wissen die Moslems seit
zweihundert Jahren, daß sie gegen den Westen militärisch keine Chance
haben, der Dschihad mehr Idee als Realität ist. Trotzdem schreibt zum
Beispiel genannter Scheich: “ Es ist ungesetzlich, den Dschihad
aufzugeben, Frieden zu schließen und die Position der Schwäche
einzunehmen, es sei denn, diese Unterbrechung diene dem Kräftesammeln in
Zeiten, wo die Moslems schwach, ihre Gegner aber stark sind.” Solange die
Welt nicht ganz und gar islamisch geworden ist, ist der Dschihad für den
“Rechtgläubigen” der Normzustand. Keinen heiligen Krieg zu
führen ist eine Position der Schwäche. An Frieden darf er erst denken,
wenn das Ziel, die ganze Welt islamisch zu machen, erreicht
ist.
Der erste Heilige Krieg war der Krieg um die
Befreiung Mekkas durch den Propheten selbst. Im Mittelalter wurde ein Dschihad
gegen die europäisch Kreuzfahrerheere geführt, die versucht hatten die
ebenfalls für den Islam heiligen Städten wie z.B. Jerusalem zu
erobern. In der modernen Zeit sind vor allem drei Kriege zu erwähnen, die
als Dschihad geführt wurden. So ist der seit 50 Jahren mit mehr oder minder
großer Heftigkeit geführte Kampf der arabischen Welt gegen den Staat
der Juden, Israel, ein heiliger Krieg. Im ersten Golfkrieg von 1980 bis 1989
bekämpften sich vordergründig die sunnitische und die schiitische
Glaubensrichtung in Gestalt des Irans und des Iraks. In Wahrheit wurde der
religiöse Eifer auf beiden Seiten dazu genutzt, das in dieser Gegend so
reichlich vorhandene Erdöl unter die eigene Kontrolle zu bringen und auch
die Interessen der damaligen Supermächte USA und UdSSR spielten eine nicht
unwesentliche Rolle in diesem fast 9 jährigem Gemetzel unter den
Glaubensbrüdern. Zum letzten großen Dschihad gegen die USA und die
UNO rief der irakische Diktator Hussein 1990/91 auf, der das kleine
Nachbaremirat Kuwait zuvor völkerrechtswiedrig besetzt hatte. Dieser
Aufruf verhallte fast in der ganzen arabischen Welt ungehört, da die
Aggressivität des irakischen Diktators und die damit einhergehende
Gefährdung der Stabilität in der arabischen Welt allzu offensichtlich
war.
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