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5.5. Mullah
"Mollá" heißt der islamische
Religionsgelehrte in der persischen Umgangssprache - abgeleitet vom arabischen
"maulá", was soviel bedeutet wie Meister oder Gelehrter. Da es eine
streng festgelegte Ausbildung zum Mullah gibt, kann sich jeder, der sich zum
Geistlichen berufen fühlt, sich so nennen und entsprechend kleiden. Um als
Mullah anerkannt zu werden, muß es ihm allerdings gelingen, eine Gruppe
von Gläubigen um sich zu scharen.
5.6. Die verschieden Abspaltungen und Gruppen des
Islams
5.6.1. Schiiten und Sunniten
Beide Richtungen unterscheiden sich weniger in der
islamischen Religion als vielmehr durch den Glauben bzw. die Bekenntnis zu
Personen der islamischen Geschichte, denen die höchste Autorität in
der Gemeinde aller Muslime zugeschrieben wird. Die Sunniten leiten ihren Namen
von der Sunna ab, dem Leben des Propheten. Sie, die die Mehrheit der Muslime
darstellen, erkennen als rechtmäßige Nachfolger Mohammeds die ersten
vier Kalifen an: Abu Bakr, Omar, Osman und Ali, den Vetter und Schwiegersohn des
Propheten.
Die Schiiten, etwa 10 Prozent aller Muslime,
sprechen gegen die ersten drei Kalifen, da diese nicht blutsverwandt mit dem
Propheten waren. Als rechtmäßige Nachfolger Mohammeds gelten bei
ihnen statt dessen die "Zwölf Imame". Ein Imam ist der Vorsteher einer
Gemeinde. Dieser Titel wird oft auch als Ehrung an Personen gegeben, die eine
besondere religiöse Autorität darstellen. Diese zwölf Imame sind
Ali, der vierte Kalif, dessen Söhne Hassan und Hussein aus der Ehe mit
Mohammeds Tochter Fatima, sowie neun weitere Nachkommen Husseins. Der
zwölfte Imam lebt nach der schiitischen Glaubensvorstellung in der
"Abwesenheit". Die Schiiten sind die Parteigänger Alis und seiner
Nachkommen. Die Unterschiede im kultischen Ritual (Gebet, Pilgerfahrt, Fasten)
sind gering, das schiitische Recht allerdings unterscheidet sich
beträchtlich vom sunnitischen. Auch haben die Schiiten als Minderheit und
oft unterdrückte Gruppe eine besondere Mentalität, die eines
Märtyrers - eines "Blutzeugen", entwickelt. Im Irak leben heute etwa 60
Prozent der Schiiten. Starke Minderheiten gibt es im Südlibanon, in
Afghanistan, Pakistan und Indien.
5.6.2. Aleviten
Die Aleviten sind nach den Sunniten mit etwa 20
Prozent der Bevölkerung die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft in der
Türkei. Auch die Kurden und einige andere arabisch sprechende
Bevölkerungsgruppen bekennen sich zur alevitischen Lehre. Im Mittelpunkt
steht die schwärmerische Verehrung Alis und seiner Nachfahren, der
Zwölf Imame. Die Aleviten interpretieren den Koran und die islamischen
Gesetze spirituell und lehnen die Fünf Säulen des sunnitischen Islams
ab. Das macht sie in den Augen der anderen Glaubensrichtungen zu "Ketzern". Die
Aleviten haben keine Moscheen (Gebetshäuser); ihre religiösen
Versammlungen finden in Privathäusern statt. Die Frauen nehmen daran
gleichberechtigt teil. Das religiöse Wissen wird von Generation zu
Generation innerhalb "heiliger" Familien, denen auch die geistige und soziale
Führung der Gemeinschaft obliegt, mündlich überliefert. Alevit
ist man durch Abstammung. Ein Mitglied der Kultgemeinde wird man durch eine
Initiation sowie das Eingehen einer religiös bestimmten "Wahlbruderschaft",
die von größerer Bedeutung als Blutsverwandschaft ist und ein Leben
lang gilt.
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